OHNE HERKUNFT KEINE ZUKUNFT – DIE HISTORIE DER SCHIESSER AG


Der 27-jährige Schweizer Fabrikant, Jacques SCHIESSER, und seine Frau Malwine mieten den Tanzsaal im noch bestehenden Gasthaus "Schwert" und beginnen auf nur neun Rundstühlen die Produktion ihrer Trikotagen.

...meinen Mitarbeitern empfehle ich, bei dem Erreichten nicht zu verweilen, sondern immer danach zu trachten, den guten Ruf unseres Namens zu mehren.

1876

Erbauung und Bezug einer eigenen kleinen "Fabrik für Trikotweberei und Färberei" in Radolfzell.

bis 1880

Die Belegschaft wächst um fast 200% von 100 auf 280 Mitarbeiter.Erschließung der Exportmärkte im Vorderen Orient, in Indien, China und Japan

1890 - 1896

Expansion des Unternehmens durch die Gründung der Filialen in Stockach (1890), Bukarest (1894) und Engen 1896). Die Zahl der Mitarbeiter wächst auf über 600. Es werden sogar Gastarbeiterinnen aus Italien beschäftigt, da qualifizierte Angestellte in Deutschland knapp wurden.

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1913

Jacques Schiesser stirbt am 18. August an Herzversagen. Das Unternehmen geht auf seine Frau Malwine über. Sein Schwiegersohn Wilhelm Finckh übernimmt die Leitung des Unternehmens mit 1.200 Mitarbeitern.

1914

Ausbruch des 1. Weltkrieges. Die Produktion der Firma SCHIESSER stellt situationsbedingt auf Heeresbedarf um und wird durch den Krieg von seinen Exportmärkten abgeschnitten. Aufgrund der immer schwierigeren Rohstoffbeschaffung werden Versuche unternommen, Gewebe und Gewirke aus Brennesselfasern und Papiergarn herzustellen.

Orignal Schiesser Knüpftrikot

1939

Ausbruch des 2. Weltkriegs

1940

Die Belegschaft ist wieder auf 1.100 Mitarbeiter angestiegen. Der Verlauf des Kriegsgeschehens bringt einschneidende Umstellungen, Notprogramme und schließlich Kriegsfertigungen – die mittlerweile etablierte „Schiesser-Mode“ fällt dem Krieg zum Opfer.

1900 — Jahrhundertwende

1915

Jacques Schiessers Neffe, Jean Schiesser, übernimmt die Leitung des Unternehmens nach dem Tod von Wilhelm Finckh.

1916

Das Unternehmen wird in eine Aktiengesellschaft umgewandelt und firmiert nun als SCHIESSER AG.

1918

Ende des 1. Weltkriegs. Die Belegschaft schrumpfte während des Kriegs auf 360 Mitarbeiter.

1922

Ende einer Durststrecke - Das Unternehmen kann wieder 800 Angestellten und Arbeitern einen gesicherten Arbeitsplatz bieten.

1929

Aufgrund der Inflation und der Weltwirtschaftskrise müssen Teile des Unternehmens geschlossen werden. Die Anzahl der Mitarbeiter sank auf 500.

1930 — 1931

Stilllegung der Zweigniederlassungen in Engen und Stockach.

Schiesser Logo 1900
SCHIESSER ist Qualität

Jacques Schiesser erhält, anlässlich der Pariser Weltausstellung, den Grand Prix für Innovation für die patentamtlich geschützten Spezialitäten des Hauses wie Flechttrikot, Damasttrikot, Abhärtungswäsche aus Ramieleinen und Längsstreifen-Trikotagen.

Die Tagesproduktion des Unternehmens beläuft sich auf 12.000 Stück. 80% der Produktion dienen dem weltweiten Exportmarkt. Das Unternehmen beschäftigt annähernd 1.000 (!!!) Mitarbeiter, darüber hinaus über 300 Heimarbeiterinnen und verfügt über eine eigene Bleicherei, Färberei und Appretur.Schiesser baut ein vierstöckiges Gebäude in der Radolfzeller Johannisstraße.

1932

Kurz vor dem totalen Zusammenbruch kann das Unternehmen mit Hilfe aus der Schweiz saniert werden. Ein mühsamer Wiederaufbau begann.

1933

Wirtschaftlicher „Aufschwung“ und Anstieg der Belegschaft auf 600 Mitarbeiter. Übernahme der Radolfzeller Kinderwäschefabrik, die Leibchenfabrik, die später „TAUSENDSASSA-Spezialfabrik“ heißen sollte.

1936

Jean Schiesser tritt als Geschäftsführer und Vorstand zurück. An seine Stelle tritt Walter Schellenberg, der erste Unternehmensführer, der nicht zur Familie Schiesser gehört.

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1945 — Nachkriegsjahre

SCHIESSER - 2 Jahre Garantie

1945

Fast vollständige Stilllegung der Produktion aufgrund Rohstoffmangels. Die Mitarbeiterzahl schrumpfte auf 500.

Wiederaufbau des von Bomben beschädigten Werks in Stockach. Mit 160 Tonnen Schrott in Form von alten Nähmaschinen erfolgt der Wiederaufbau.

1950 — 75 J‰hriges Jubil‰um

1951

Jean Schiesser stirbt im Alter von 80 Jahren.

1960

Das Unternehmen beschäftigt 3.500 Mitarbeiter.

1962

Entstehung des Filialbetriebs Neustadt im Schwarzwald. Darüber hinaus Aufbau neuer Produktionsstätten in der Schweiz und in Griechenland und Gründung der SCHIESSER Niederlande.

1966

Entstehung eines neuen Werks in Radolfzell mit 32.000 qm Nutzfläche. Darüber hinaus wurde eine Vertriebsgesellschaft in Mailand/Italien gegründet. Es entstanden neue Produktionsstätten in Griechenland, Irland, Österreich und der Schweiz.

1967

Gründung einer weiteren Vertriebsgesellschaft in Belgien.

1971

SCHIESSER wagt den Sprung in die Gesamtbekleidung: Nach dem Erwerb der Unternehmen Standop GmbH, sowie der Hudson-Textil-Werke wird SCHIESSER Marktführer im Bereich bedruckter Maschenstoffe.

Aufbau einer eigenen Stoffdruckerei, um weiterhin die Qualität zu gewährleisten.

Erneuter Aufschwung: Die Jahresproduktion beläuft sich auf 2,7 Mio. Stück Trikotwaren mit einem Jahresumsatz von nahezu 13 Mio. DM. Das Unternehmen beschäftigt wieder 1.000 Mitarbeiter.
Errichtung eines neuen Werks in Engen und Inbetriebnahme der Filialen in Mimmenhausen und Rielasingen.

1975 — 100 J‰hriges bestehen

1975

Das Unternehmen kann auf 14 Jahre ununterbrochene Expansion zurückblicken. Die SCHIESSER AG produziert 38 Mio. Wäschestücke im Jahr.

Die SCHIESSER AG erreicht einen Jahresumsatz von 437 Mio. DM.

Das Unternehmen gliedert das Außendienstnetz neu und legt den Fokus in der Kommunkation verstärkt auf den Endverbraucher.

1990

RC CarMit dem Motto „Lust auf Mode, Lust auf Schiesser“ stand neben der Qualität die Mode an erster Stelle. Durch die wirtschaftlichen Folgen der deutschen Einheit und der Erschließung eines neuen Marktes begann 1990 ein starkes Umsatzwachstum auf knapp 555 Mio. DM. Die Schiesser Gruppe wurde durch Mehrheitsbeteiligungen in Italien, Frankreich, Tschechien und der Slowakei zur europaweit agierenden Schiesser Eminence Gruppe transformiert. Diese Präsenz breitete sich bis 1996 auf über 30 Länder aus.

1997/1998

In Deutschland zählte SCHIESSER in diesem Jahr schon einen Kundenkreis von über 8.000 Textilgeschäften und Fachabteilungen von Kauf- und Warenhäusern. Der Export entwickelte sich kontinuierlich weiter. 1997 bis 1998 fand ein kompletter Marken- und Produktrelaunch inklusive einer Neugestaltung des Logos statt. Mit der Eröffnung des SCHIESSER Bodyfashion Centers in Prag gründete die SCHIESSER AG zudem erstmals ein Vertriebszentrum für Osteuropa.

1998/1999

Ende der 90er Jahre musste sich auch SCHIESSER den Veränderungen des Marktes anpassen. Mit der Trennung von den zu SCHIESSER-Eminence-Gruppe gehörenden Unternehmen Ragno (Italien) und Emincence (Frankreich) in den Jahren 1998 und 1999 wurde die beabsichtigte Konzentration auf die Marke SCHIESSER erreicht.

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2000

Zu Beginn des neuen Millenniums entwickelte sich SCHIESSER immer stärker vom Produktions- zum internationalen Marketing- und Vertriebsunternehmen. Mit "SecondSkin" bringt SCHIESSER eine sehr erfolgreiche Microfaser-Kollektion für Damen, Herren und Kinder auf den Markt.

2007–2009

2007 geriet SCHIESSER in Turbulenzen und musste 2009 Insolvenz anmelden, obwohl das Unternehmen im Kerngeschäft der Marke SCHIESSER profitabel arbeitete. In der anschließenden Insolvenzverwaltung konnte der Insolvenzverwalter Dr. Volker Grub auf Basis der bereits vom SCHIESSER-Vorstand veranlassten Restrukturierungsmaßnahmen die SCHIESSER Gruppe wieder auf Erfolgskurs bringen.

 

2010

Ende 2010 wurde das Insolvenzverfahren der SCHIESSER AG offiziell aufgehoben. Die Führung des Unternehmens übernahm wieder vollständig der Vorstand der SCHIESSER AG mit Rudolf Bündgen, Karl-Achim Klein und Johannes Molzberger.

 

2012

Das Unternehmen hat die Insolvenz als historische Chance begriffen, die es für einen glaubwürdigen und erfolgreichen Neuanfang bzw. eine Neupositionierung nutzen konnte. In der Konsequenz erfolgte ein Relaunch der Marke.

SCHIESSER erreichte innerhalb kurzer Zeit einen positiven Turnaround, der das Unternehmen zurück zum Erfolg gebracht hat und dadurch zur Übernahme durch den weltweit agierenden Wäsche- und Strumpfkonzern Delta Galil Industries geführt hat. Die Gläubigerforderungen aus der Insolvenz konnten mit einer 100% Quote befriedigt werden.

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Heute

history-2012-heute-after-store SCHIESSER befindet sich weiter auf Wachstumskurs und erzielte in 2014 eines der besten Ergebnisse in der Unternehmensgeschichte mit einer stetigen Steigerung des Nettoumsatzes im höheren einstelligen Prozentbereich. 

Die erfolgreiche Multichannel Strategie (eigene Stores, Fachhandel, E-Commerce) und neue profitable Lizenzen (Marc O‘Polo und Lacoste) sowie ein erweitertes Produktportfolio (Poloshirts, Hemden, Bettwäsche, Frottierwaren, Socken) sichern kontinuierlich eine zukunfts- und wachstumsorientierte Entwicklung des Unternehmens.